Warum die Jahreszeit über die Bildqualität entscheidet
Eine Gebäudethermografie ist kein „Foto", das man jederzeit machen kann. Die Wärmebildkamera misst die Strahlungstemperatur an der Außenoberfläche eines Bauwerks — und damit indirekt den Wärmestrom, der von innen durch die Bauteile nach außen fließt. Dieser Wärmestrom ist nur dann messbar, wenn drinnen und draußen ein deutlicher Temperaturunterschied besteht.
In der Praxis hat sich ein Schwellenwert von mindestens 15 Kelvin (15 °C Differenz) zwischen Innen- und Außentemperatur etabliert. Bei weniger als 15 K verschmieren die Wärmebrücken im Bild, und Dämmungslücken sind kaum noch von normalem Wandbereich zu unterscheiden. In Niederbayern wird dieser Mindestunterschied verlässlich nur zwischen Mitte Dezember und Ende Februar erreicht — manchmal noch im Frühjahr bei klaren, kalten Nächten oder im Spätherbst bei früher Witterungsumkehr.
Die fünf physikalischen Voraussetzungen für eine belastbare Aufnahme
1. Temperaturdifferenz mindestens 15 K
Die Faustregel: Innenraum 21 °C, Außenluft 5 °C → 16 K Delta → akzeptabel. Innenraum 21 °C, Außenluft -5 °C → 26 K Delta → exzellent. Bei Außentemperaturen über 8 °C wird die Aussagekraft schon bei sehr gut gedämmten Häusern marginal, weil der Wärmestrom durch eine moderne Wärmeschutzhülle ohnehin gering ist.
2. Konstante Innenraumtemperatur seit mindestens 24 Stunden
Wer am Aufnahmetag erst einheizt, verfälscht das Ergebnis. Die Wand braucht Zeit, das thermische Gleichgewicht zu erreichen. Eine Außenwand mit 30 cm Mauerwerk hat eine thermische Trägheit von 12–24 Stunden. Wir bitten Eigentümer deshalb, am Vortag durchgehend zu heizen und Türen sowie Fenster geschlossen zu halten. Nicht beheizte Räume — etwa unbenutzte Schlafzimmer im Obergeschoss — werden im Bericht entsprechend markiert.
3. Keine Sonneneinstrahlung in den letzten 2–4 Stunden
Direkte Wintersonne erwärmt eine dunkle Putzfassade in 30 Minuten um 5–10 K. Diese aufgenommene Strahlungswärme dominiert dann das Wärmebild und verdeckt jede Wärmebrücke aus dem Inneren. Aufnahmen müssen deshalb vor Sonnenaufgang oder an bedeckten Tagen erfolgen. In Niederbayern bedeutet das im Januar: Drohnenflug zwischen 5:30 und 7:30 Uhr — vor dem ersten Sonnenkontakt der Ostfassade.
4. Kein Niederschlag, geringe Luftfeuchtigkeit
Eine nasse Fassade hat eine erheblich erhöhte Wärmeleitfähigkeit und verdunstet zugleich Wasser, was die Oberfläche kühlt. Beide Effekte verfälschen die Messung. Optimal sind ein bis zwei trockene Tage vor der Aufnahme. Schneefall und Glätteis verhindern den Drohneneinsatz ohnehin.
5. Geringer Wind
Wind kühlt die Fassade durch erzwungene Konvektion stärker ab als bei stehender Luft. Bei Windgeschwindigkeiten über 15 km/h sinkt die Aussagekraft, ab 25 km/h ist eine seriöse Auswertung nicht mehr möglich. Außerdem darf die Drohne aus Flugsicherheitsgründen ohnehin nicht starten.
Was die Wärmebildaufnahme sichtbar macht
Eine fachgerecht durchgeführte Thermografie deckt Schwachstellen auf, die mit dem bloßen Auge unsichtbar bleiben:
- Wärmebrücken an Fenstereinbauten, Heizkörpernischen und Geschossdecken
- Dämmlücken durch nachträglich entfernte oder gequetschte Dämmplatten
- Luftströmungen durch undichte Fenster, Türanschlüsse oder Dachdurchdringungen (sichtbar als Wärmefahnen)
- Feuchtebelastete Bauteile, die durch Verdunstung lokal kühler erscheinen
- Defekte Heizleitungen in Wand oder Estrich (typischerweise als heiße Linien sichtbar)
- Dachflächen mit fehlender Aufsparrendämmung — oft erkennbar als gleichmäßig wärmer als der Rest
Im Vergleich zu einer ebenerdigen Aufnahme mit Stativ-Thermografie hat die Drohnenaufnahme einen entscheidenden Vorteil: Sie kann Dachflächen und obere Geschosse aus optimalem Winkel erfassen. Eine Bodenkamera blickt schräg auf die Traufe — das Wärmebild ist verzerrt, und die Dachhaut bleibt unsichtbar. Eine Drohne fliegt im rechten Winkel zur Fläche und liefert messbare, vergleichbare Bilder.
Mehr zu den eingesetzten Kameras und Auswertungsverfahren auf der Thermografie-Leistungsseite.
Aufnahmeparameter im Überblick
| Parameter | Optimal | Akzeptabel | Nicht möglich |
|---|---|---|---|
| ΔT innen/außen | > 20 K | 15–20 K | < 15 K |
| Außentemperatur | < 0 °C | 0–8 °C | > 8 °C |
| Sonneneinstrahlung | keine (vor Sonnenaufgang) | bedeckt | direkte Sonne in letzten 4 h |
| Wind | < 10 km/h | 10–15 km/h | > 25 km/h |
| Niederschlag | trocken seit > 24 h | trocken | aktueller Regen / Schnee |
| Luftfeuchtigkeit | < 80 % | < 90 % | Nebel, Tau |
Welche Auflösung braucht man wirklich?
Hochwertige Drohnen-Wärmebildkameras (etwa DJI M3T oder M30T) liefern eine Sensorauflösung von 640 × 512 Pixel im IR-Spektrum. Aus einer Flughöhe von 25 Meter ergibt sich ein Bodenpixel von ca. 2,5 cm. Wärmebrücken ab dieser Größe sind eindeutig erkennbar. Für die meisten Eigenheimsituationen ist diese Auflösung ausreichend.
Eine radiometrische Aufnahme speichert für jeden Pixel die absolute Temperatur. Das ist wichtig, weil sich daraus später quantitative Aussagen ableiten lassen — etwa „Bereich X ist 4 K wärmer als der umliegende Wandbereich, was auf eine Wärmebrücke entlang der Geschossdecke hindeutet." Nicht-radiometrische Kameras liefern nur Falschfarbenbilder ohne absolute Werte und sind für eine seriöse Bauauswertung nicht geeignet.
Die typischen Fehler von Hobbyaufnahmen
Im Internet kursieren viele Wärmebildaufnahmen, die wenig bis nichts aussagen. Die häufigsten Fehler:
- Aufnahme bei zu warmem Wetter — Bilder im Oktober oder März sehen oft „spannend" aus, sind aber bei 12 °C Außentemperatur energetisch nichtssagend.
- Aufnahme bei direkter Sonne — eine dunkle Klinkerfassade nach 10 Uhr im Februar ist von Sonnenstrahlung dominiert, nicht vom Innenraum.
- Aufnahme aus zu kurzer Distanz — bei Kontakt mit der Fassade aus 30 cm Entfernung verfälschen lokale Konvektionsströme das Ergebnis.
- Falsche Emissionsgrad-Einstellung — Putz, Klinker, Glas und Holz haben unterschiedliche Emissionsgrade. Ein nicht angepasster Wert verfälscht die absolute Temperatur um mehrere Kelvin.
- Fehlende Innenraum-Dokumentation — ohne Kenntnis der tatsächlichen Innenraumtemperatur und ohne Wissen, welche Räume beheizt waren, ist keine seriöse Auswertung möglich.
Ablauf einer Drohnen-Gebäudethermografie
Vorbereitung (Eigentümer)
24 Stunden vor dem Termin: Innenraum auf 20–22 °C heizen und konstant halten. Fenster und Türen geschlossen. Rollläden offen — geschlossene Rollläden behindern den Wärmeaustritt durch das Fenster und verfälschen das Bild.
Vor-Ort-Termin (60–90 Minuten)
Aufnahmezeitpunkt im Januar: typisch 5:30–7:30 Uhr. Der Pilot prüft Außentemperatur, Wind und Bewölkung. Die Drohne fliegt rund um das Gebäude in 15–25 Meter Höhe und nimmt jede Fassade aus mehreren Winkeln auf. Zusätzlich wird das Dach senkrecht von oben erfasst. Insgesamt entstehen 80–200 Einzelaufnahmen.
Auswertung (3–5 Werktage)
Im Büro werden die Bilder auf einheitliche Skalen normiert, Emissionsgrade pro Materialzone angepasst und Wärmebrücken markiert. Der Bericht enthält für jede auffällige Stelle: ein Foto im sichtbaren Licht, das radiometrische Wärmebild, eine Beschreibung der vermuteten Ursache und eine Handlungsempfehlung.
Wann lohnt sich die Investition?
Eine Drohnen-Thermografie eines Einfamilienhauses ist im Verhältnis zu den jährlichen Heizkosten eines schlecht gedämmten Hauses und zur Förderfähigkeit von Sanierungsmaßnahmen schnell amortisiert. Wir kalkulieren jeden Auftrag als verbindlichen Festpreis. Konkrete Anlässe:
- Vor einer Sanierung: Welche Bauteile sind die größten Energieverluste? Wo lohnt sich die Investition zuerst?
- Nach einer Sanierung: Wurde fachgerecht gedämmt? Sind die Anschlüsse luftdicht?
- Beim Hauskauf: Welche Schwachstellen wird der Käufer erben?
- Bei unerklärlich hohen Heizkosten: Wo entweicht die Wärme?
- Bei Schimmelproblemen: Welche Wärmebrücken führen zu Tauwasserausfall?
Fazit: Das Zeitfenster ist begrenzt
Gebäudethermografie ist eine saisonal begrenzte Dienstleistung. In Niederbayern stehen pro Winter typischerweise 30–50 geeignete Tage zur Verfügung — meist verteilt zwischen Mitte Dezember und Ende Februar. Wer eine Aufnahme plant, sollte den Termin frühzeitig vereinbaren, damit der Pilot bei passendem Wetter kurzfristig zuschlagen kann.
Wir arbeiten mit einem wetterbasierten Terminmodell: Sie melden sich vorab unverbindlich, und wir kontaktieren Sie, sobald in Ihrer Region 24 Stunden mit geeigneter Witterung vorhergesagt werden. So entsteht eine Aufnahme unter optimalen Bedingungen — und damit ein Bericht, mit dem Sie energetische Entscheidungen wirklich begründen können.